14. April 2026
Posted by marko
Von Gainsboroughs Leinwand bis in die viktorianischen Salons — wie eine temperamentvolle kleine Rasse zu einem der meistgemalten Hunde der abendländischen Kunst wurde.
„Die Täuschung war so vollkommen, dass das ältere Tier, erzürnt über die vermeintliche Rivalin, mit solcher Wut auf sein eigenes Abbild losging, dass man das Bild in Sicherheit bringen musste."
— Anekdote über Gainsboroughs Pomeranian Bitch and Puppy, um 1777
Lange bevor der Pomeranian die sozialen Medien und Stadtwohnungen eroberte, war er ein Hund der Paläste und Salons — ein Wesen, das von den Herrscherhäusern Europas so geliebt wurde, dass Maler höchsten Ranges beauftragt wurden, sein Abbild in Öl auf Leinwand zu verewigen. Die Geschichte der Pomeranian-Porträtmalerei ist in vielerlei Hinsicht die Geschichte davon, wie Hunde sich ihren Platz als ernsthafte Bildsubjekte erkämpft haben.
Die Rasse selbst geht auf die Küstenregion Pommerns zurück — das heutige Nordpolen und Ostdeutschland — und stammt von den größeren Spitz-artigen Arbeitshunden Nordeuropas ab. Als „Wolfshund", „Fuchshund" oder „Loup loup" bekannt, waren Pomeranians in früheren Jahrhunderten deutlich größer als die kompakten Begleiter, die wir heute kennen.
Es war der bedeutende englische Porträt- und Landschaftsmaler Thomas Gainsborough (1727–1788), der den Pomeranian erstmals zum ernsthaften Bildgegenstand erhob. Obwohl er für seine menschlichen Modelle und leuchtenden Landschaften berühmt ist, liebte Gainsborough Hunde und malte sie mit außergewöhnlicher psychologischer Feinfühligkeit.
Sein frühestes bekanntes Pomeranian-Werk, The Spitz Dog (um 1765, Yale University Art Gallery), zeigt einen wachen, energiegeladenen Hund voller Persönlichkeit. Sein berühmtestes Pom-Gemälde, Pomeranian Bitch and Puppy (um 1777, Tate), schlägt einen ganz anderen Ton an — innig und zärtlich, mit einer Mutter, die ihren neugierigen Welpen bewacht, vor einer Landschaft aus dramatischen, schnellen Pinselstrichen.
„Gainsborough füllt dieses Porträt mit Emotionen und setzt die Hunde in eine Landschaft, die er meisterhaft mit schnellen und dramatischen Pinselstrichen gemalt hat."
— DailyArt Magazine, über Pomeranian Bitch and PuppyDie Hunde auf dem Tate-Gemälde gehörten Carl Friedrich Abel, dem letzten großen Virtuosen der Viola da Gamba und einem der engsten Freunde Gainsboroughs. Der Maler tauschte das Porträt wahrscheinlich gegen Musikstunden ein — ein kreativer Tauschhandel zwischen zwei Künstlern, die die Gesellschaft des anderen genossen. Als das fertige Bild bei Abel ankam, soll die echte Hündin ihr eigenes Abbild so täuschend echt erkannt haben, dass sie wutentbrannt auf die Leinwand losging.
Pomeranians kamen auf großem Fuß nach England. Königin Charlotte, Gemahlin von König Georg III., brachte die Rasse mit an den Hof — ihre beiden Hunde Phoebe und Mercury gehörten zu den ersten Pomeranians, die in England weithin bekannt wurden. Gainsborough selbst malte Porträts der Königin, in denen möglicherweise genau diese Tiere zu sehen sind.
Zu dieser Zeit war die Rasse nach heutigen Maßstäben jedoch noch mittelgroß — eher einem kleinen Hütehund ähnlich als dem schoßhundgroßen Fellbällchen von heute. Es sollte noch eine Generation königlicher Begeisterung brauchen, um das zu ändern.
Die dramatischste Veränderung sowohl in der Größe der Rasse als auch in ihrem künstlerischen Erbe brachte Königin Victoria. Die Monarchin war eine leidenschaftliche Pomeranian-Züchterin, und weil einer ihrer Lieblinge — namens Marco — besonders klein war, wurde die miniaturisierte Variante in ganz Großbritannien modisch. Zu Lebzeiten Victorias soll die Standardgröße der Rasse um etwa die Hälfte geschrumpft sein.
Victorias Hunde wurden wie Familienmitglieder behandelt. Für sie wurden eigene Abteile im königlichen Zug reserviert. Beamte, die den Pomeranians der Königin nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenkten, riskierten ihren Unmut. Spezielle Polizisten sorgten bei öffentlichen Auftritten für die Sicherheit der Tiere. Als Victoria auf dem Sterbebett lag, soll ihr letzter Wunsch gewesen sein, dass man ihr ihren Lieblings-Pomeranian bringe.
„Königin Victoria war sehr streng mit Beamten, die ihren Lieblingshunden nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenkten, und spezielle Polizisten sorgten jederzeit für deren Sicherheit."
— Geri Walton, Pomeranians and Their Popularity in the 19th CenturyDie viktorianische Ära erlebte auch die Reifung der Hundeporträtmalerei als ernstes künstlerisches Genre. Hundeausstellungen wurden populär. Rassestandards wurden festgelegt. Porträts preisgekrönter Hunde wurden zu persönlichen Erinnerungsstücken und Zuchtnachweisen — eine Tradition, die irgendwo zwischen dem modernen Zwingerphoto und dem Renaissance-Hofporträt angesiedelt ist.
Thomas Gainsborough
1727–1788 · Britisch
Der erste große Maler von Pomeranians. Sein Pomeranian Bitch and Puppy (um 1777) in der Tate gilt als eines der schönsten Hundeporträts aller Zeiten — reich an Emotion und Landschaftsatmosphäre.
Edwin Landseer
1802–1873 · Britisch
Königin Victorias Lieblingstierzeichner. Landseer malte unter Victorias Schirmherrschaft über ein Dutzend Porträts königlicher Haustiere und prägte damit den Stil der viktorianischen Hundemalerei maßgeblich.
George Stubbs
1724–1806 · Britisch
Gilt allgemein als der Künstler, der die Hundemalerei auf akademisches Niveau hob. An der Royal Academy stellte er zu Lebzeiten mehr Hundebilder als Pferdebilder aus — trotz seines Ruhms als Pferdemaler.
um 1765
Gainsboroughs The Spitz Dog
Eines der frühesten eigenständigen Pomeranian-Porträts der westlichen Kunst. Heute in der Yale University Art Gallery — der Hund wirkt so lebendig, dass er fast vom Bild zu springen scheint.
um 1777
Gainsborough malt Pomeranian Bitch and Puppy
Entstanden für den Musiker Carl Friedrich Abel, wahrscheinlich im Tausch gegen Unterrichtsstunden auf der Viola da Gamba. Heute in der Tate, London — gilt als Meisterwerk der Tierporträtmalerei.
1785
Pomeranian im Gesellschaftsporträt
Gainsboroughs Porträt von Mr. und Mrs. William Hallett zeigt einen großen Pomeranian — ein Statussymbol in der modebewussten Gesellschaft des 18. Jahrhunderts.
Ende des 18. Jh.
Königin Charlotte bringt Poms an den Hof
Die Gemahlin Georgs III. kommt mit zwei Pomeranians nach England — Phoebe und Mercury — die später von Gainsborough gemalt werden.
1830er–1890er
Das viktorianische goldene Zeitalter der Hundeporträtmalerei
Königin Victoria züchtet Pomeranians in großem Stil. Der miniaturisierte Pom wird in ganz Großbritannien modisch. Künstler wie Landseer und Charles Burton Barber halten die Hunde-Begeisterung einer ganzen Epoche fest.
19. Jahrhundert
Antike Ölporträts verbreiten sich
Englische und französische Künstler fertigen zahlreiche kleinformatige Pomeranian-Ölporträts für private Sammler an — heute von Antiquitätensammlern und Hundeliebhabern weltweit begehrt.
Heute
Die Tradition lebt weiter
Von zeitgenössischen Ölmalern bis hin zu digitalen Auftragsarbeiten — die Pomeranian-Porträtmalerei ist lebendig wie eh und je. Der Drang, dieses besondere Fellgesicht für die Nachwelt zu bewahren, scheint unwiderstehlich.
Am Pomeranian ist etwas von Natur aus Malerisches. Das dichte Doppelfell bietet außergewöhnliche Möglichkeiten für Textur — Gainsboroughs schnelle, energische Pinselstriche waren geradezu prädestiniert dafür, dieses Fellwölkchen zu erfassen. Das fuchsartige Gesicht mit seiner spitzen Schnauze und den wachen, aufmerksamen Augen verleiht jedem Porträt eine Unmittelbarkeit, die flachgesichtigen Rassen selten gelingt. Und der über den Rücken gerollte Schwanz ist ein natürlicher kompositorischer Schwung.
Auch die Ausdrucksstärke der Rasse half. Pomeranians sind wachsam, neugierig und eigenwillig — Eigenschaften, die sich in Porträts mit echtem Charakter niederschlagen. Gainsborough soll so viel Sorgfalt darauf verwendet haben, die „Persönlichkeit seiner tierischen Modelle" einzufangen wie bei seinen menschlichen. Der Pomeranian, mit seinem ausgeprägten Selbstbewusstsein, belohnte diese Aufmerksamkeit.
Die Tradition des Pomeranian-Porträts spiegelt auch etwas Tieferes wider: das jahrhundertealte menschliche Bedürfnis, die Wesen, die wir lieben, durch Kunst zu ehren. Von Gainsboroughs Musikzimmergemälden bis zu Königin Victorias Skizzenbüchern ist der Impuls derselbe — zu sagen: Dieser Hund hat gezählt, dieser Hund war da, dieser Hund gehörte uns.
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